Trauer – die Kraft zum Leben


"Waisen" nennt man Kinder, deren Eltern verstorben sind. Für Väter und Mütter, deren Kinder verstorben sind, gibt es im Deutschen keinen eigenen Begriff. Vielleicht, weil ein solcher Verlust überhaupt nicht in Worte zu fassen ist. Die Wut, die Traurigkeit und der unermessliche Schmerz können Eltern nicht genommen werden. Denn die Zeit heilt keine Wunden. Eltern können vielleicht lernen, mit der großen Wunde ihres Lebens zu leben. Doch die Wunde reißt immer wieder auf und braucht immer wieder liebevolle Zuwendung. Vielleicht hilft die Gewissheit, dass das Kind seine letzten Tage so schön wie möglich verbracht hat.
Die Trauer darf und muss gelebt werden. Dafür gibt es keine Regeln und keine gesellschaftlichen Normen. Jeder Mensch darf in der eigenen Geschwindigkeit, Schritt für Schritt, die Trauer leben und gestalten. Sich Hilfe von außen zu holen (Trauerbegleitung, Freundin, Freund) ist keine Schwäche, sondern kann helfen, die eigene Trauer zu bearbeiten. Jeder Ratschlag von außen muss behutsam formuliert werden. Aus der selbstgestalteten Trauer kann sich die Kraft zum Weiterleben entwickeln.

 

Die Trauer ist so individuell wie der Mensch selbst. Aber vielleicht hilft diese kleine Aufzählung mit trauernden Menschen umzugehen.
 
1. Frag nach!


2. Nimm Dich zurück
 
3. Der Tod ist keine ansteckende Krankheit
 
4. Es darf auch mal gelacht werden
 
5. Du musst nicht unbedingt was schenken
 
6. Sei da!
 
7. Vermeide Hektik
 
8. Nimm Deine Probleme nicht zu wichtig
 
9. Vergleiche sind eine schlechte Idee
 
10. Frag wieder nach!

 

Drei Fragen an Martina Stamm


Die Charta für trauernde Kinder und Jugendliche


Artikel 1
Kinder und Jugendliche haben das Recht auf angemessene Information.

Artikel 2
Kinder und Jugendliche müssen mit beteiligt werden.

Artikel 3
Kinder und Jugendliche haben das Recht, dass ihnen erzählt wird, was passiert ist.

Artikel 4
Kinder und Jugendliche haben das Recht, dass die ganze Familie mit einbezogen wird.

Artikel 5
Kinder und Jugendliche haben das Recht mit anderen Betroffenen zusammenkommen.

Artikel 6
Kinder und Jugendliche haben das Recht ihre Gefühle auszudrücken.

Artikel 7
Kinder und Jugendliche haben das Recht darauf, dass ihnen vermittelt wird: Du bist nicht schuld daran.

Artikel 8
Kinder und Jugendliche haben das Recht, dass die gewohnte Routine beibehalten wird.

Artikel 9
Kinder und Jugendlichen tut es gut, wenn sie Reaktionen des Kindergartens oder der Schule erhalten.

Artikel 10
Kinder und Jugendliche haben das Recht den Verstorbenen in ihrer Erinnerung wachzuhalten.

Hintergrundinformationen:

Winston’s Wish, die englische Hilfsorganisation für trauernde Familien, hat bereits 1992 eine „Charta für trauernde Kinder“ erarbeitet, die bis heute ihre Gültigkeit besitzt. Darin wird unmissverständlich klargestellt, welche Rechte trauernde Kinder und Jugendliche haben. Der Respekt vor den Bedürfnissen trauernder Kinder und Jugendlicher kann sehr positive Auswirkungen haben. Er ermöglicht die Chance, das Leben neu zu ordnen und positiv zu gestalten.